manchmal muss einer erst nach melbourne
um dort dann endlich draufzukommen
wie sehr ihm in wien
der apfelstrudel geschmeckt hat
so mühsam es auch immer ist, danach
die kerne aus den zähnen zu fietzeln.
ein ozean dazwischen
Mai 19th, 2012 by elisabethechanted april
März 31st, 2012 by elisabethein hallendweißer, leerer raum.
die wände unbebildert, nur noch nägel
wo einmal möbel standen plötzlich nichts
mit einem mal ist wieder alles möglich
ein andrer wird sich hier sein nest einrichten.
nach wochenlanger vorbereitung
dann endlich eine allerletzte runde.
ein regentag für diesen abschied.
was braucht man und was gar nicht mehr?
wer ist man wenn sich alles komplett wendet?
und wer ist man bestimmt nicht mehr?
der weg zum mistplatz fällt so leicht
als ob man eine hostie bricht
dem alten leben lebewohl zu sagen
und mit ihm allen alten, bunten tand
der bloß die sicht auf neuland lang versperrte.
was bleibt wenn man sich traut zu springen
ganz ohne netz ins nirgendwo?
das jetzt, ein windstoss, der die blüten
ein für allemal verweht.
an neue, unbekannte ufer.
dort mag ein kirschbaum dann dir wachsen.
für olivia
count your blessings
März 21st, 2012 by elisabethaufgewacht mit dem gefühl
die nacht hat dich geheilt
die nacht und auch der schlaf.
den vogel zwitschern hören
und gleich danach den anderen.
das lied im radio aus einem ganz besondren sommer.
das lächeln einer alten frau mit ihrem hund
und ihre freundlich warme geste zu deinem buben.
die kinder vor der schule
wie sie die eltern lieb umarmen
und drücken, zuversichtlich, beide seiten.
und der spaziergang dann am fluss
das plätschern eines frühlingsvollen wassers.
die sonne und der hund, der dankbar dir zum fünften mal
bereits den stock herbeiholt und sich immer wieder freut.
der mann am markt der ungefragt dir eine birne schenkt.
die tschechische kassiererin, die dir die 20 cent erlässt,
nicht zu vergessen jene dame, die dich davor gern vorgelassen hat:
mit 87 lieb ich es zu warten.
die freundin, die sich sorgt und dreimal heut schon angerufen hat,
you make me smile auf der cd
aloe blacc, der dich an leichtigkeit erinnert.
die freundin, die ein packerl schickt
parfum zum dank und zur erbauung.
die mutter eines kindes, die oft ganz genauso denkt wie du.
der duft von frischen rosa rosen.
ein frühling, der gerade sich in blasses grün und hellgelb kleiden will.
und mitten in der kultivierten wiese ein frecher lila krokus,
einfach so.
ein email mit fünf photos dran anbei
für deinen blog: ich hab dabei an dich gedacht.
dann wieder schallen ein paar takte carmen
aus einem autofenster wehend an dir vorbei.
die grünen augen einer jungen frau
die sich mit tränen füllen
dann eine weile später gerührt und freudig stark erstrahlen.
das mädchen das da steht und fragt
ob sie den hund spazierenführen darf.
der kühle hauch, der plötzlich dir um die seele streift
und der gedankenfreie kopf
die wolken und der sonnenstrahl
den du dir wochenlang ersehntest
die tulpenblätter kommen schon.
der grüne polster für die gartenbank
wird heut zum allerersten mal
herausgelegt und ausprobiert.
du schaukelst wie in kindertagen und bist bereits
bei 108
beim zählen der geschenke!
dankeschön

krähenflüsse
März 16th, 2012 by elisabethim älterwerden zeigt sich blöße
auf dünner haut
eine altersfleck
und in den langen haaren
silberfäden.
wenn jetzt der spiegel
blicke fängt
dann ist er sich nicht sicher
was diese augen sagen wollen
erlöst daß alte träume, schwärmereien
längst schon als illusion entlarvt?
zugleich auch dieses ruhige glänzen
das erst nach allzu langen, müden reisen
durchs dickicht ihrer niemandsländereien
in einem herzen spät entstehen kann.
ja, dieses glänzen wiegt sie auf
die blöße der verletzlichkeit
und die veränderung der form.
ein milder, brauner, sanfter blick
schaut in den spiegel
nickt, verbeugt sich sachte und vertraut
vollendet vor sich selber.
zur späten zeit sich endlich auch
ganz nahe sein zu können.
sie nennt sich lächelnd
luxuskind.

photo: erika moeller
höhlenflug
März 9th, 2012 by elisabethkurz bevor in dir das leben wieder durchbricht
sammelst du die letzten kräfte deiner reserven.
nur nicht zu früh hinaus
dachtest du bei dir letztens
als das schneeglöckchen übermütig wurde.
eine familie von draufgängern
haben manche gemunkelt.
du musst es dieses jahr langsam angehen
weil in dir jenes zögern ist,
jene vorsicht vor dem was dich erwarten wird.
so als ob alles anders sei diesmal.
alles.
deshalb willst du vorsichtig sein
was sonst so gar nicht deine art ist
vielleicht liebst du sie deshalb so
die schneeglöckchen.
das leben gibt dir viele chancen
immer und immer wieder
wie eine duldsame, gute mutter.
nur jetzt will es von dir
daß du es richtig machst
beim ersten anlauf gut.
im hellen schein des höhlenfeuers
macht sich in dir bereit
was jahrelang in vorbereitung war
ein flügelpaar der seele.

foto: andreas müller
zwiebelmedizin
Februar 29th, 2012 by elisabethabgehoben
Februar 20th, 2012 by elisabethsowas
seit einiger zeit schon
juckts mir erbärmlich
zwischen den schulterblättern
ich will mich kratzen
und komm nicht hin
steh mit dem löffel vorm spiegel
und schau nach hinten
wölbt sich da was?
bahnt sich was an
ganz paralell, arg gerötet?
ruf meine freundin
bin ganz verzagt
streich da mal drüber
sieh dir das an
sag mir, was soll das bedeuten
sie inspiziert und sagt aha
fast wie bei einer visite
sag es mir jetzt
fleh ich sie an,
klammere fest ihre arme
sie schaut mich an
seh ich da schalk
in ihren augen aufblitzen?
hab keine ahnung
weiß nicht genau
habs auch noch nie wo gesehen
meint sie mit feiernden augen
aber ich denk, das was es ist
bringt dich in jedem fall weiter.
reicht mir den spiegel
ich schau hinein
sind da auf einmal gewachsen
ganz in türkis, purpur und blau
ein paar gewaltige flügel!

bild: bettina riegler
sich eier wachsen lassen
Februar 19th, 2012 by elisabethwas wird sich ändern?
woran werden sie es erkennen?
was bringt die neue zeit mit sich?
kann man es denn verpassen?
jahrelang sind wir gekonnt
vor vielen ängsten davongelaufen
haben uns trickreich und intelligent
drumherum geschummelt
genial daneben
was diese zeit jetzt nicht mehr gewähren will
sind schwindel jener art.
ängste konnten uns früher
ein ganzes leben lang vor sich hertreiben.
jetzt scheint es anders zu sein.
wir können nicht mehr schnell genug laufen.
was fordert unsere zeit also?
dass wir uns umdrehen und den dämonen der angst
ins auge schauen.
die zeit fordert tapfere menschen
die sich nicht zu blöd sind, schwach zu sein
doch mutig genug es zuzugeben.
vor sich selbst und auch vor anderen.

arztgeheimnis
Februar 15th, 2012 by elisabethmein freund, der arzt erzählte mir
ganz leise, fast wie im geheimen,
wie gerne er mit sterbenden
zusammen sei.
sie lassen ihn so dringendlich
das leben spüren.
und auch darüber sprechen, ungeniert.
denn wann, wenn nicht zu guter letzt
kann offen übers leben
alles liegen
ganz ohne zensor, unverfälscht.
er hätt auch priester werden können
so wie sein vater ehedem.
nur wär moralisches vielleicht
ihm manches mal im weg gestanden.
nur selbst als arzt entkommt er nicht
dem ewigen warum.
wenn er dann sitzt
und hände hält
den kranken, die hinüberziehn
in jenes ferne, weite land
dann fühlt er sich
ganz wie im flug
mit ihren seelen an den rand,
der welten zueinanderzieht
zumindest für sekunden dann
des übergangs – ein funke sprüht -
es ist vollbracht
die seele hat adieu gesagt
dem körper, seinem treuen freund,
der bis zum schluss
sein bestes gab
um der erneuerung zu dienen.
mein freund, der arzt
ist selbst mit ihnen tausendfach gestorben
und tausendmal hat er gespürt:
am ende
ist es seltsam leicht.
winterschlaff
Februar 14th, 2012 by elisabethheut morgen noch vor viertel acht
klopft es, nein hämmerts an der tür
ich dreh mich um in meinem bett
und raunz: geh weg, ich mag jetzt nicht
nur will der mensch
kaum ruhe geben.
er klopft und klopft
bis schließlich ich
arg schimpfend von den
daunenbergen denn auferstehe.
und runterpolter zum portal
wenn das nur wichtig ist!
nicht mal mein hund
will sich in seinem körberl wenden.
der schlüssel dreht sich um im schloss
die angel knarzt
und draussen steht: der valentin!
faselt zitate, tanzt und lacht
und kniet am ende sich gar hin
mitten hinein ins salzgestreute nass
und sagt mit glänzigschönen augen:
wach auf und schreib
ich will nicht warten
auf märzenbecher, osterglocken
heut sollst dich auf den hintern hocken!
nundenn
ich geb mich langsam wieder hin
und danke ihm, dem valentin.
bittermandelhonigstern
Dezember 22nd, 2011 by elisabethausgeschwitzt und abgehetzt
glühend aber ohne feuer
verirrt, verwirrt, lebendig tot
in wut, in not, in rage
du ganz einsam mitten drin
wann wenn nicht vor weihnachten
geballte ladung emotion?
kein lächeln will dir auf den lippen bleiben.
und gar kein trost mag bei dir sein.
er mag dich nicht – nicht einmal er.
es sitzt ein kleines mädchen hadernd
mit gott, der welt und mit sich selbst.
auf einmal will ein wind aufkommen
aus nirgendwo mitten hinein
in deine trotzgeweihte stille.
ein flügelschlag, ein hauch, ein satz
hüllt dein bewusstsein streichelnd ein:
es ist jetzt sicher loszulassen
dein altes, enges, graues leid.
was dich so lang beschützen konnte
verliert allmählich seine kraft
und nährt nicht mehr.
aufbruch zu neuen ufern
bedeutet nicht, schon dort zu sein
nur wissen sollst du, daß
dein leben dort ganz sicher vorbereitet ist
nur darauf wartend daß du sagst:
ich will.
ich will ein teil der liebe sein
die keine grenzen zieht, die nichts und niemanden verkennt.
jetzt ist es still.
der kühle wind auf einmal fort.
auf deinem blauen kleid ein stern
liegt glitzernd, glühend, leuchtend gold
und will den neuen weg aufzeigen.
was einmal bethlehem gewesen
kann dir ein neues leben sein.
du weinst.
doch diese tränen sind ganz süß
sie duften rosa federleicht
und schmecken nach veränderung.
schmelzwasser
Dezember 17th, 2011 by elisabethein paar jahre hat sie gekämpft
ums überleben
während er langsam gestorben ist.
dazubleiben
und nicht nachzufolgen auf die andere seite
war stets ihr wunsch gewesen.
trotzdem dazubleiben.
jetzt hat sie das leben wieder
es gibt auch wieder wünsche
bilder, sehnsucht, aber irgendwie
finden sie keine form.
in dem kleinen zimmer ihres hauses
steht das gefäß in einem schrank.
fest verschlossen.
alabaster.
sie kann sich noch nicht von ihm trennen.
das gefäß und sie im täglichen einklang
als stütze – als schutz.
für lange zeit schützte es ihr überleben.
heute aber kommt ihr vor
es bewahrte sie vor dem leben.
kann mich das leben erreichen
wenn ich mich davor schütze?
fragt sie sich auf einmal verunsichert.
auch wenn alles zusammengehört
so ist da doch diese magische grenze
die auch in mir gezogen werden will
die toten zu den toten
die lebenden zu den lebenden.
ganz am frühen morgen des folgenden tages
steht sie dann auf,
nimmt die schwere urne und trägt sie in den garten.
ganz hinten zur weide
ans äußerste ende ihres bewusstseins.
dort gräbt sie ein loch.
über nacht hat es zu tauen begonnen
der himmel glänzt morgendlich rot wie eine perle.
sie stellt das andenken
ihrer großen liebe in die kleine grube
und schaufelt wieder erde drauf.
es ist vollbracht.
und während sie langsam ihrem haus entgegengeht
merkt sie es zurückkehren – das leben.
bis in die fingerspitzen jubel
und trotzdem ist es seltsam still.
dieselbe stille, die man spürt
wenn neuer tag die nacht umarmt
sich aus ihr löst um ja zu sagen
lebe!
wild gallopierende pferde
Dezember 7th, 2011 by elisabethausgebrochen
in der mitte der nacht
wolken jagen am mond vorbei
voll und weiss.
irgendetwas ist durcheinander geraten
in ihr und um sie herum.
wie wolken ziehen ihre sorgen
rastlos kreise. schneller, schneller
wie in einem karussell.
wild, entkommen, kranke pferde.
aus dem runden tanz heraus
des entstehens, seins, vergehens
machen sie nun machtentbrannt
nur mehr was sie wollen.
drohen donnernd
alles einzunehmen in gedanken.
schlaflos wälzt sie sich
von einer seite auf die andere.
ich komm da einfach nicht mehr raus.
der schrei um hilfe, aussichtslos.
in dem moment da hört man nur den wind
der unentwegt damit beschäftigt ist
dem vollmond seinen schleier vom gesicht zu blasen.
in dieser nacht steht einer auf
weil er vielleicht nicht schlafen kann.
folgt einem ruf, den nur sein herz
erkennen kann, weiss nicht wohin.
dann sieht er sie
die wilden weißen pferde
auf einer dunklen wiese rasten
und macht sich auf mitten hinein.
ganz leise unentwegt vertraulich flüstert er worte
der versöhnlichkeit und trost und zuspruch
mild, bestimmt.
er nimmt die tiere nach und nach
an ihren halftern und
bringt sie zurück in ihren stall
er ordent tier um tier
auch sie sind ausgehungert, müd
jetzt wollen alle nur mehr ruhn
und rasten bis zum nächsten tag.
auch er kehrt wieder heim und weiss
wem immer diese schar gehören mag
sie werden heute nicht mehr stören.
für sie doch ist es wie ein wunder.
die nacht hat ihren satten glanz jetzt wieder
den sie so lange nicht gehabt.
sie ist jetzt still
die sorgen wie von selbst zerstreut
im winde aufgelöst.
ganz dankbar seufzt sie jetzt zuletzt
ein dankeschön und fällt in einen tiefen
weichen schlaf
der endlich heilung bringt.
für b.und alle, die mit liebe, leib und seele anderen helfen.
dankeschön
alterswahn
November 22nd, 2011 by elisabethdu und ich
November 15th, 2011 by elisabethach
dass du da bist in mir
an mir, rund um mich herum
ist mir das größte heil.
wenn ich es spür
dein mitgefühl, all deine sorge
und den blick
mit dem du mich manchmal bedenkst.
fast wie ein engel
scheinst du mir
manchmal sehr klar fast mit konturen
dann wieder wie ein hauch von flüchtigkeit
als ob nur mal vorbeigeschaut.
ach
wie mich deine nähe stützt
und sonderbar ins leben drängt.
wenn ich es wüßte wer du bist
manchmal da seh ich meine mutter
dann wieder lehrer, meisterin.
als kind hab ich dich auch schon oft gespürt.
und dann als bruder, bote, freund
ach
ich wills gar nicht erst benennen
und ehrlich ist es mir egal
doch wenn du da bist
ist es dann
wie nach erforschten nebelpfaden
endlich ein schild:
richtiger weg.
für erika an diesem ganz besonderen tag heut

foto: erika möller
eigentlich ist alles gut
November 12th, 2011 by elisabethwenn alles in ordnung ist
und ich nicht gewillt bin
in meinem leben etwas zu verändern
auch gar nichts anzuschauen möchte
was vielleicht gesehen werden will
wenn meine welt so wie sie ist
superperfekt ist und wonnig weich gelb.
dann verwend ich mein geld
und geh dafür ins theater, shoppen
oder ich treff mich mit ein paar feschen bekanntinnen
und plausche über alltägliches.
ganz entspannt.
ich geh, wenn eigentlich eh alles gut ist
weder zum therapeuten noch zur kartenlegerin
noch zum lifecoach oder zum schamanen.
ich erspare ihnen die zeit und anstrengung
die sie dafür aufwenden müssten
mir zu erklären, daß hinter den potemkinschen wänden
der helle wahnsinn wütet.
wenn eigentlich alles gut ist
lehn ich mich zurück
sag dem lieben gott danke
und bin zufrieden.
und alle sind maßlos erleichtert.
wochenendschachtel
November 11th, 2011 by elisabethheute wirst du wieder reingeschoben
ab ins kisterl für zwei tage
und schön platz machen
scht, braves mädchen.
keinen ärger machen
da ist dein napferl und dein wasser
so – jetzt is aber still.
vorsicht! kopf einziehen
sonst tust du dir weh.
ja, so geht es der geliebten
an seinen familienwochenenden.
48 stunden stehn bevor
wo er mit seiner familie glücklich ist
und du allein die patchworknähte deiner decke nachmalst
minuten zählend, leer und ausgehölt.
selber schuld, meinen die freundinnen
deine mama hat ihre hände überm kopf zusammen geschlagen
ein verheirateter mann!
ach kind, was tust du mir an.
du fragst dich nicht, was du dir antust
und was der mama ist dir noch egaler.
du willst nur, daß der sonntag rum ist
und du endlich wieder zur arbeit fahren kannst
um dort die frage tunlichst nicht zu stellen:
na schatz, wie war dein wochenende?
und er stellt sie auch nie

foto: erika möller
dreigackerloper
November 3rd, 2011 by elisabethganz in der früh geh ich hinaus
grade zum park, einmal ums haus.
führe den hund durch nebelschwaden.
auch meinen beinen kanns nicht schaden.
nur will beim allerbesten willen
mir heut mein hund den wunsch nicht erfüllen
macht nicht was er sonst immer macht.
ich red ihm zu, es ist schon fast fast acht.
komm schon mein lieber sei doch nicht so
mach mir die freude, geh jetzt aufs klo.
nach einer guten halben stunde
geb ich es auf, die gassirunde.
genau vor der feinkost meint dann mein hund
ganz ohne gschäft ist’s halt doch nicht so gesund.
erleichtert sich das viecherl ganz ohne scham
ohne genierer, lustvoll, infam.
mir dafür wirds erst kalt und dann heiss
wo ist das sackerl gschwind für seinen scheiss?
endlich, ich habs, ziehs aus der tasche
da kommt ein wind auf, fährt in die lasche
bläst mir das sackerl auf und davon
ich hinterher so schnell ich nur kann.
du bleibst beim gackerl! schrei ich zum tier
der bellt mir was, rennt her hinter mir.
dann noch die dame im webpelzjackerl
die schreit gellig laut: sag ham sie ka sackerl?!
endlich nach vielen geschlagenen haken
kann ich den zipfel des sackerls derpacken.
kehre zurück zum ort des verbrechens
atemlos schwitzend mit seitenstechen.
weit und breit ist kein kübel in sicht
trag ich den corpus delicti aus pflicht
draussen dann direkt vor meinem haus
nimmt sich mein hündchen feierlich raus
noch einmal ordentlich hin zu gacken
am liebsten möcht ich ihm gleich eine pracken
ein zweites sackerl hab ich jetzt nimmer
und grad wie ich denk, es geht nimmer schlimmer
spür ichs ganz weich unter meinem stiletto
i steh in an gackerl, na bitte perfetto!
mein herz ist klein
November 2nd, 2011 by elisabethin diesem herbst
novembernebel
ein kleines, helles, liebeswunder.
der Jesus, der dort drüben hängt
an einer ungarischen grenze
aus dünnem, kühlen blattmetall
geschweisst in andacht
an Sein leid
und die erlösung
irgendwann.
er hängt an einem schweren kreuz
zu füssen blüht noch irgendwas
obwohl der winter unausweichlich scheint
und die gewissheit sicher eisig ist.
auf einmal kommt ein kalter wind
aus Seinem brustkorb weht es Ihm
mit einem mal aus dem metall
ein bißchen stroh
ganz warm und weich
aus Seinem herzen hohl heraus.
ich trete näher, schau hinein
aus meinem allerseelenblick weicht plötzlich
jede trauer.
ein vogel hat zur sommerzeit
den hohlraum der skulptur benutzt
um seine eier wohlig sacht
und gut geschützt darin zu wissen
genau an jener einen stelle
wo der mir unbekannte künstler
das herz des Herrn geschmiedet hat.
ein kleines schlupfloch, ungeplant
lud diesen vogel damals ein
sein nest zu bauen
ganz im vertrauen,
daß dies der beste platz sein müsste
um eine zukunft sich zu schaffen.
geborgenheit
das spür ich auch
und diese unausweichlichkeit
trotz nebel und novembergrau
dem herz des großen heilen ganzen
auch bis zum nächsten frühjahr zu vertrauen.
etappensieg
Oktober 29th, 2011 by elisabether wird aus dem leben gerissen
durch einen schicksalsschlag
entwurzelt
nie mehr der alte, gleiche tag
nie mehr vom selben
das leben trägt ihn fort
hält ihn in schwebe
eine zeit
und spült ihn irgendwo an land
wo alles unbekannt und neu
ein bißchen an geburt erinnert
und wieder fängt ein leben an
so nach der krankheit
ganz geworden
und auch entschieden für das leben
er seufzt und lächelt in den herbst
ein goldenroter nebelmorgen.
zero
Oktober 28th, 2011 by elisabethwenn du einen schmerz jahrelang mit dir getragen hast
und eines tages nimmt ihn einer fort
einfach so
wenn plötzlich die so lang ersehnte freiheit
da ist
stehst du dort, wo du dich immer gesehen hast
in deinen endlichschmerzfreivisionen
an den selbsterfahrungswochenenden,
die du dir vom mund abgespart hast.
jetzt ist es soweit.
er ist nicht mehr da, nur noch die stelle, wo er immer gebrannt hat
ist noch ein wenig warm,
in erinnerung.
nur, was machst du jetzt
wo so viel zur verfügung steht?
wie gehst du mit dem nichtschmerz um und was wird ihn ersetzen?
erstmal erstaunt, verwirrt und entgliedert
musst du dich bücken um deine einzelteile zusammenzusuchen
was gehört da noch zu dir?
Irgendwie scheint der schmerz ganz lange alles zusammengehalten zu haben
was du warst.

ganz nebenbei ganz
Oktober 6th, 2011 by elisabethin ihrer küche
den telefonhörer eingeklemmt
am linken ohr, eine zigarette im mundwinkel
beschliesst sie zu kochen
für acht leute was feines.
im off dröhnt rachmaninov
eine sonate.
schwer, getragen, dramatisch.
in ihrem kopf
ist kein gedanke
der mund spricht
die lippen saugen rauch ein
ihre hände schälen karotten,
hacken petersilie, schnipseln ingwer,
gießen weisswein, füllen den fisch.
ich beobachte die frau
wie es ihr gelingt
so ganz nebenbei ein gericht nach dem anderen
zu zaubern, ohne plan ohne struktur
und doch macht jeder handgriff sinn
passt jeder duft und jede farbe
sich in ein großes ganzes ein.
auf ihrer stirn stehen kleine schweissperlen
vor vergnügen und freude am tun
meine mutter
die große alchemistin

geflickt
September 28th, 2011 by elisabethmein lieblingstischtuch
ist achzig jahre alt.
von einer frau bestickt
die lang schon nicht mehr lebt.
über die jahre und tische
ist das leinen an manchen stellen
dünn geworden.
und rissig
dieselbe frau und nach ihr ihre tochter
haben es immer und immer wieder
in liebevoller, aufmerksamer kleinarbeit
repariert.
möglichst in der gleichen farbe und
möglichst unauffällig
wurden die schwachen stellen unterfüttert.
wenn ich so sitze und den tisch betrachte
rührt mich am meisten die andacht
der frauen, ihre emsige beflissenheit
und das ausbleiben des gedankens:
wozu überhaupt?
nein, man soll sich nicht immer des alten entledigen
und es schnell schnell durch was neues ersetzen.
es klingelt – wahrscheinlich ein anruf
September 23rd, 2011 by elisabethmanchmal wird das leben eng
die vielen gedanken
anstrengenden aufstiege
allzu kurzen Pausen
schmalen steige zwischen den welten.
zum luftschnappen träumst du
fällst in grünes wasser
wirst klar für sekunden
weiter gehts.
kann das die realität sein?
eine ahnung beschleicht dich
es ist nur ein film
wenn auch ein selbstgedrehter.
irgendwann einmal vor der zeit
hast du dir gemeinsam mit deinem seelenführer
das drehbuch ausgedacht
irgendwo am strand
relaxed und voller guter, knalliger ideen.
das nehm ma auch noch rein in dieser nächsten runde.
ausgeruht im sonnenuntergang schreibt sich sowas ganz leicht,
fließt aus der feder wie goldener sirup.
der reiseleiter will dich bremsen:
nimm das nicht auch noch auf deine schultern
es ist ja nicht die letzte runde.
aber du bist übermütig
papperlapapp, wenn schon denn schon.
puhh
jetzt in diesem körper fühlt sich das ganz anders an.
in diesen momenten
legst du dich in deine schaukel. hollywood
ist ein dreck dagegen.
eine runde schlaf. seelendusche
und dann wieder ab in die maske.
den oskar der planetenturner gilt es nicht zu gewinnen.
nur nächstes mal willst du bescheidener sein
und stiller, wenn es darum geht
was du dem helden deiner geschichte ins skript schreibst.
schau ma mal..
rückkehr des verlorenen sohnes
September 17th, 2011 by elisabethatemnot
September 17th, 2011 by elisabethseit geraumer zeit fühlst du dich halb
nicht ganz am leben oder noch nicht aufgewacht.
du kämpfst schon lange hier um deinen platz
den du in dieser welt so gerne eingenommen hättest.
nur irgendwie ist es zu wenig
die kräfte gehn dir immer aus,
du meinst du schaffst es einfach nicht.
und auch die angst macht alles enger.
den weg, den gehst du lieber nicht,
es könnte dies und das passieren
das land bereist du auch nicht gern, dort könnt dir übles widerfahren
auch diese speise, jenen wein
du willst ihn lieber gar nicht erst probieren,
die reaktion könnt tödlich sein.
so lebst du nun das schmale leben,
ein seiltanz zwischen off und on
und betest zwischendurch verbissen
daß du es bis zum ende schaffst.
nur frag ich dich: kann das das leben sein,
in dieser zwingend kargen enge,
vermeidung als der kraftstoff deiner taten?
so wirds kaum besser.
in diesem allzu kleinen raum
wird es kaum platz für andre geben.
du bleibst allein
du and deine alten, wohlbekannten weggefährten
vorsicht, argwohn,schuld und angst.
ausdehnung kann nur dann geschehen
wenn das gemiedene geschaut, gesehn, erkannt und da sein darf
und so sein abgedrängtes fristen
mit einem schlag beendet wird.
lass das herein, was du vermeidest
es kann nicht mächtiger da stehn
als abgespalten und verdrängt
in seinem ungemach:
dem vakuum deines herzens.
bitte nicht stören
September 13th, 2011 by elisabethtermine, eng an eng
heisse ohren am telefon
dahin, dorthindenken
immer, immer mitten drin.
schlag fünfzehn uhr ist es vorbei.
out of the blue heraus die pause.
still.
in der prallen nachmittagssonne
kein ton, kein wort und kein gedanke.
leer.
dann die entscheidung leer auch leer zu halten,
nicht ganz im tagesfeuer auch noch die pause
zu verbrennen? nein.
in dem moment des nichts
auch nichts zu sein und niemandem zu dienen
nicht einmal durch ermunternde gedanken
wird schon wieder. stop.
jetzt grade, jetzt um fünfzehn uhr
ist meine welt ein leerer raum
der nichts gebiert oder vermisst.
am rand des blumenbeets versucht
ein käfer aus dem netz sich zu befreien.
ich will den hilferuf gerade überhören
als es ihm selbst gelingt
voilà!

foto: erika moeller
beinhart splash II
September 11th, 2011 by elisabethin der nachbarschaft ist herbst.
sie haben ihre pools längst ausgeleert
alles verräumt und den inneren modus
auf winterschlaf gestellt.
nur ich hab die hoffnung nicht aufgegeben
wollt mich noch einmal schwimmen sehn.
alle haben geschmunzelt.
es ist vorbei, träum weiter
bis dann der gestrige tag die wende brachte
ich auf der luftmatratze
schwimmflügerln fliegen durch die luft
hurra, die alten weiber
haben den sommer noch mal gelockt
mit ihrer sehnsucht nach:
nur noch ein letztes mal.
die nachbarin im herbstkostüm
knöpft sich das westerl auf
es tropft eine schweissperle sacht
auf kaschmir.
merkur hat verspätung
September 11th, 2011 by elisabethmama, mama
die meerjungfrau!
Ich hab die meerjungfrau gekriegt!
der kleine bub rast die stiegen hinauf
die wangen glühen, seine stimme bebt.
endlich.
so lange monate hat sie ihn hängen lassen
von aufgerissenem packerl zu aufgerissenen packerl
immer in freudiger erwartung: wird sie dabei sein?
dann irgendwann hat die aktion des supermarkts aufgehört.
es fehlten zu dem zeitpunkt noch acht abziehbilder
darunter auch sie, die langersehnte, nie errreichte.
bis heute morgen.
die freundin der mama hatte sie noch irgendwo aufgehoben
und der mama gestern abend in die tasche gesteckt:
“falls er überhaupt noch sammelt”
und grade eben hat er sie entdeckt
mama, mama
die meerjungfrau!
wenn man es sich nur fest genug wünscht
geht es irgendann einmal ganz bestimmt in erfüllung.
p.s:
ich wünsch mir, daß ich meine pickerln immer noch brauch
und mich genauso freuen kann wie er
wenn sie mir in die tasche gesteckt werden….

von dort wo der pfeffer wächst
September 10th, 2011 by elisabethsich ganz ganz lange sehnen
nach der mama, die ich heut bin
erinnerung an damals
und dieser bittere hungergeschmack
im mund und im herzen.
unsentimental und trotzdem traurig
stelle ich fest
aus mir geschöpft zu haben
hat mich ganz selbstständig gemacht
aber der liebe nicht mehr trauen lassen
der einen, einzigen, für die man nichts tun muss
als zu sein.
frisch geboren, brüllend,
weil aus dem warmen wasser raus
fordernd, laut und ganz ganz sicher
daß auch geschaut wird, gehört und gespürt
was mein bedürfnis ist.
wenn mich mein kind aus den großen, braunen augen
anschaut spiegelt sich in ihnen all meine liebe.
das hat mir selber so sehr gefehlt.
freitagseinsicht
September 9th, 2011 by elisabethich habe nichts
besitze nichts
bin nur zu gast
auf der großen reise.
nichts haftet an mir
und ich kann nicht verhaftet sein.
beobachterin eines großen spektakels
das sich das leben nennt.
hier sitze ich und schaue
auf mein tun und spüre
es ist gut so
aus einiger entfernung.
die mutter, der große fluss
spült mir erfahrungen entgegen
die ich zu machen habe.
ich nehm sie an wie ein geschenk.
und auch den menschen will ich so begegnen.
den einen seh ich für sekunden
den anderen begrüße ich als freund.
ich stell dem leben nichts entgegen
will weder kämpfen noch verloren gehn.
ich bin bei mir
besitze nichts
bin nur zu gast
auf einer langen, großen reise.
in vino veritas
September 3rd, 2011 by elisabeth
ich finde diesen sanften ort
an dem ich ruhe haben darf
wo keiner kommt und schaut, und fragt
ein ort an dem ich friedlich bin.
von hier aus seh ich weit hinaus
den himmel und die sterne.
gedanken ziehn an mir vorbei.
ich greif nicht hin.
behalte nichts
was nicht zu mir gehören soll.
in dieser stille will ich wachsen
wie dort der rebstock
langsam, stet
bis dann im herbst die ernte kommt
und aus den früchten meines seins
essenz herausgefiltert wird.
die liebe, die mich immer nährte
und auch die freuden meines sinns
kann so als dunkelrotes destillat
die lippen derer süß benetzen
die ewig auf der suche sind.
dank gott, es ist vollbracht
so hat mein leben einen sinn.
für erika und ihren papa, der immer auf dieser bank gesessen hat
foto: erika möller
einhörnchentage
August 10th, 2011 by elisabethdass es in diesem sommer
so regnerisch ist
lässt manche schier verzweifeln.
alles was raus will
muss drinnen bleiben
was in der hitze gelebt werden möchte
brodelt allzu lang schon innerlich.
es gibt kein rauskommen
und kein entrinnen.
was sonst im herbst geschehen sollt
möcht jetzt im sommer schon gesammelt werden.
rückzug, ernte, schneevorräte.
wenn man vom wetter spricht
wird über gemeinplätze geplaudert.
ich seh’s grad völlig anders.
mich schickt der regen in die tiefe
all meiner untergründigkeiten
und fragt mich
was soll jetzt geschehn?
als ob der wettergott der welt
den großen spiegel vor die nase hält.
wo’s sonst so lange pausen gab
heisst’s im august
die ohren aufmerksam zu spitzen
und die antennen stelln auf fein.
der sommer bringt veränderung
die uns noch lang begleiten soll.
drum will ich zwischen regentropfen
die stille sammeln und den sinn
um im september marmelade draus zu machen.

foto: thomas brandtner
ineinander wohnen
August 8th, 2011 by elisabethineinander verwoben
das leben und vergehen
nichts hat bestand
als die beständige verwandlung.
wenn die gezeiten sich durchdringen
am tag ein anbeginn
des nachts ein ende
wo form verschwindet
taucht es auf
das nichts.
saugt alles denken in sich ein
und spuckt gewahrsein aus
und reines sein.
dem wandel ganz ergeben
gesetzte grenzen übertauchen
an nichts und niemanden geklammert
schwemmt sie dich fort
die flut, das leben
und trägt auf ihren blauen wogen
die kronen der vergänglichkeit.
foto: stefan lorenzoni
freundsches versprechen
August 6th, 2011 by elisabethwir kennen uns schon lang
der stefan und ich
heut hab ich eine tonne fotos
auf eine kleine cd gepresst
von ihm bekommen.
ein wahres schatzscheiberl!
aus dem fisch ich mir jetzt
ab und an ein paar schillernde perlen.
freundschaft heisst auch immer
sich gegenseitig zu inspirieren.
einer idee die form zu geben
oder der form eine passende farbe.
das hab ich schon länger mal versprochen
und will es jetzt gerne halten.
foto: stefan lorenzoni
verregneter sommer
August 4th, 2011 by elisabethurlaubsanfang
August 2nd, 2011 by elisabethcoming home
August 1st, 2011 by elisabethmanchmal strecken alte leben
ihre hände nach dir
und wollen sich in erinnerung bringen.
zeichen aus ferner vergangenheit
werfen schatten ins jetzt
und wollen gedeutet werden.
kämpf nicht gegen sie an,
versuche sie zu verstehen.
nichts und niemand ist gegen dich.
was auch immer dir passiert,
es will dich näher an die fülle
deiner ganzheit bringen.
wehre dich nicht und tauche ein
ins wasser der erneuerung.
mutig und vertrauensvoll
unterziehst du dich deiner eigenen
verwandlung.
halt still und wisse um die macht
der großen liebe,
die das zusammenfügt
was lange getrennt war.
eremit
Juli 31st, 2011 by elisabethein mann, die wüste
schaut
wie es sich anfühlt
so allein
des nächtens kalt
tagsüber glühend.
komplett allein,
zurückgezogenheit.
wer bin ich und
wer will ich nicht mehr sein?
was macht mich aus
wenn ich jetzt so verloren bin?
ohne gewohnte form
ganz ohne linie und struktur?
ich bleibe hier,
entschliesst er sich,
bis ich es weiss
was von mir bleibt
nachdem das feuer mich verzehrt
die flammen der erinnerung.
way back into love
Juli 29th, 2011 by elisabethich kenne da eine frau
die mich regelmäßig aufsucht
damit ich ihr hoffnung gebe und zuversicht.
sie weiß, daß ich an sie glaube,
weil ich an die liebe glaube
an gott und das leben selbst
in all seiner weisheit und zuversicht.
diese frau kommt
weil sie in momenten der mutlosigkeit
wieder hoffnung spüren will.
es ist angenehm,
wie balsam auf einer brennenden wunde
an den sinn erinnert zu werden.
aber ich kann niemandem ersparen
an sich selbst zu glauben
oder seinen eigenen zugang zu finden
zu der verbindung mit dem selbst.
so diene ich ihr als eine art schutzengel,
der holzgeschnitzt in einer hübschen ecke steht
und dann und wann
wenn’s drunter und drüber geht
angesprochen wird.
mein unbedingter glaube an den großen sinn
gibt sicherheit.
aber ich bin mir nicht sicher
ob ihr das wirklich dienlich ist
diese seltsame jobverteilung.
und manchmal werde ich innerlich
so ungeduldig.
wach auf und komm zu dir.
sei dein eigener engel
und schütze dich
mit deiner liebe zu dir selbst.
stiefmut
Juli 27th, 2011 by elisabethweil du empfindsam bist und sanft
hast du dich immer gern gekümmert.
weil du das hörst was andre niemals hören
und du erspürst, was andren völlig fremd
hast du gemeint, es wäre deine pflicht
den arg bedürftigen zu helfen.
so war dein leben auch bisher
prall angefüllt mit liebesdiensten.
nun ist es zeit
dein neuland zu betreten.
das erste mal im leben jetzt
nur an dich selbst zu denken und zu fragen
was dir gefällt und was dir fehlt.
die zu bemerken
die dir stiefkind war.
im schatten ein verwaistes mädchen
irgendwo verlorn im nichts.
sie möcht zum mittelpunkt der aufmerksamkeit werden,
nachdem sie jahrelang gerufen hat
um nur sekunden deiner achtung zu erhaschen.
heut fängt nun ihre ära an
und du siehst ein,
sie hat es auch verdient
aus diesem dünkel deiner ignoranz
tritt sie ganz schüchtern endlich jetzt
ins licht.
foto: thomas brandtner
vollwertkosten
Juli 25th, 2011 by elisabethfreunde sind diejenigen
die dich nähren
und nicht verzehren
die an dir wachsen
und dich an ihnen wachsen lassen,
liebevoll dir dienen
und von dir bedient werden
immer im ausgleich
immer auf augenhöhe.
wer dich aussaugt ohne zu geben
fällt auf sich selber zurück
weil du liebevoll und klar
deine grenzen setzen wirst
um auf dich zu achten
dich zu schützen
und zu stützen
für einen neubeginn
auf einer anderen ebene.
auf dich sollst du dich verlassen können.
das versprechen nimmt es dir ab
dein eigenes inneres kind.
dein bester kumpel
herzensfreund.
what your mind can believe
Juli 23rd, 2011 by elisabethsommertage warm gemacht
wermutstropfen mit zitrone
eisverwürfelt ist dein herz
er sagt ab, dann kommt er wieder
und du wartest auf ein ja
das das leben geben sollt.
wie ein startschuss: ja, du darfst.
weshalb muss von aussen kommen
was du innen drin nicht tust?
hat ein anderer die macht
deine wünsche kleinzukriegen?
darfst du denn aufs ganze gehen
dir das glücklichste erlauben?
hast du selber dich ins ziel
hingestellt mit lorbeerkranz?
wer dir deine kräfte raubt
bist du selbst mit scherenfingern
schneidest deine hoffnung ab
und beweinst mit schwarzen tränen
was noch nicht gestorben war.
halt dich fest an der vision
sternenschnuppern an dem bild
das du dir gezeichnet hast
mit dem Jawort,
ja ich will.
foto: erika möller
lunatic
Juli 21st, 2011 by elisabethwenn man’s vorher weiss
geht man am besten
erst gar nicht aus dem haus
und lässt auch keinen rein.
und wartet bis er vorüber ist
der vollmond.
was sich einen monat angesammelt hat
muss heute raus
an irrsinn
an trübsal
an unterdrückten emotionen.
ein bsoffener fährt gegen die einbahn
am hellichten morgen
zwei hunde verbeissen sich ineinander
mit geheul
ein paar schlägt sich halbtot
im affekt.
und den ganzen tag notfallsirenen.
davor sich zu schützen
unmöglich!
da hineinzutauchen
der reine wahnsinn!
der mögliche kompromiss:
sich die mondin zur verbündeten machen
und spüren was passiert
wenn zwei fremde einander auf unsicherem terrain begegnen.
da wo angst ist ist immer auch eine quelle drunter
die lebendig macht
und stärkt.
foto: thomas brandtner
splash
Juli 19th, 2011 by elisabethwir haben einen pool
und plötzlich –
ja man glaubt es kaum,
ungeahnt viele freunde.
von überall kommen sie,
auch wenn wir sie kaum kennen.
und auch mein bub ist von null auf tausend
der beste freund von allen siedlungskindern
wenn ich gewusst hätte
wie leicht das geht
jessas! ich hätt das schon vor jahren gemacht.
auch eine neue einkommensquelle
wäre andenkenswert.
eintrittskarten verkaufen
und vielleicht langos und würstl?
oder liegeplätze vermieten?
eines ist aber ganz klar
ich muß schauen, daß ich dazwischen
mir ein stündchen abzwacke
in dem auch ich reinspringen kann
und zwar ganz allein!
auch wenn’s ein paar neue freunde kostet.
wäre ja auch wurscht
jetzt wo es so viele davon gibt.
foto: thomas brandtner
aneinander vorbei geradeaus
Juli 17th, 2011 by elisabethzwei menschen stecken fest
in einem nicht unangenehmen leben.
sind aneinander frei gewesen
so weit es ging.
gemeinsam doch für sich.
ein eheleben an der kante.
was hat’s gebracht
sich gegenseitig alles lassen
von dem was jeder für sich will?
man teilt sich wohnung, küche, hund
und ein paar gute lieblingsspeisen
und gibt sich schutz
durch dick und dünn.
man gibt sich schutz vor einsamkeit
vor ganz allein.
wo so viel raum ist, wenig enge
da schleift kein druck die kanten ab
da fällt kein zacken aus der krone
und übrigbleiben königskinder
zu keinem opfer je bereit.
wen wunderts, daß da eines tages
dem lieben gott ganz fade wird
er gähnt und schnippt – mit einer weisen
liebevollen geste fühlt er dem gleichklang
auf den zahn und schickt, wer kann es ihm verdenken,
die fleischgewordne prüfung zu den zwein.
was wird geschehn? wer wird am ende wem zur seite stehn?
wir werden sehn und ganz gespannt auf staffel zwei
des großen epos warten…
foto: thomas brandtner
zartes eisen
Juli 15th, 2011 by elisabethdie junge frau hat hohe ansprüche
ans leben und an sich selbst.
sie will nicht wie all ihre freundinnen sein.
verstrickt in die liebe
himmelhoch jauchzend, zu tode betrübt
sie mag erst einmal den richtigen finden
und dann soll es echt sein
und für immer.
wie sehr es sie unter druck setzt
das hehre ziel, der große, mächtige gedanke
sieht man ihr nicht an
nur manchmal, abends, wenn die sonne
schon untergegangen ist, streift sie um die häuser
und fragt sich, wie sie es noch länger aushalten kann
so anders zu sein als die anderen.
natürlich wird sie belächelt,
natürlich wird sie insgeheim auch bewundert.
sie denkt bei sich, daß vielleicht ihre haltung
der grund für ihre einsamkeit ist.
woran erkennt man ihn denn, den richtigen?
ihre eltern will sie nicht fragen und die freundinnen
haben nach langen liebeskummerphasen ganz offensichtlich
nicht den richtigen gefunden.
gott gibt auf solche fragen scheinbar auch keine antworten
oder vielleicht ist gott auch nicht der richtige ansprechpartner
in sachen liebe.
ja, zum teufel nochmal wer kann ihr denn was raten?
ihr herz schlägt momentan für einen
der vielleicht ganz ähnlich denkt wie sie,
zumindest ist er auch zurückhaltend und eher schüchtern.
ihn wird sie vielleicht fragen, wenn sie es wagt.
allein der gedanke lässt sie zittern.
im nächsten moment – eine nachricht auf ihrem telefon
ob sie mit ihm einmal vielleicht, wenn sie eventuell lust hätte
eis essen geht.
nur so…..
foto: thomas brandtner
saloon
Juli 11th, 2011 by elisabethdichtgraue wolken um dein herz
und das gefühl von ohnmacht, groll.
handlungsunfähigkeit, erstarrt.
wie kommst du aus dem ungemach heraus?
erst einmal warme, süße milch
damit die düsternis vergeht.
das hat dich damals schon beruhigt
die schwere, weiche mamabrust.
heut kränkt der chef,
die freundin fälscht,
der mann, der geht ganz einfach fremd,
als wollt das leben dich erschlagen.
und dann noch in die fresse haun.
dich wirfts zurück
in strampelhosen, macht dich so hilflos
und allein
nur weil die mama für sekunden
dich einfach liegenlassen hat.
dass sie ganz sicher wieder kommt
hast du ja da nicht wissen können.
so ähnlich ist es heute auch.
jetzt trinkst du milch,
das handy läutet,
der chef nimmt’s ganz zerknirscht zurück
die falsche freundin stellt sich selbst das haxl
und durch die schwingtür kommt ein kerl,
der dich mit Haut und Haaren einfach liebt.
foto: erika möller
knieweich im sand
Juli 9th, 2011 by elisabethnichts in ihm stößt auf resonanz
wenn da kein schmerz zu holen ist.
nichts lädt ihn dann mehr ein zu bleiben
oder zu sein.
das gilt nicht mir
sagt trotzig seine kinderstimme.
sie sieht mich nicht,
da mag ich gar nicht hingehörn!
da hilft kein locken, ködern, lotsen.
was er nicht kennt
das frißt er nicht
und macht auch nicht sein bäuerchen
danach.
dem großen mann fällt es schon auf
dass hier ein neuland zu betreten wär
das ihn auf einmal reizt.
was wäre denn dabei
sich einmal unbeschwert und leicht zu fühlen?
ganz ohne leidensweg, ohne problem?
so will er es nun doch versuchen:
wofür er sonst gut ausgerüstet ist
das schild, der speer, die waffen,
legt für den augenblick er ab
und atmet auf.
sie kann in seine seele schaun
und beiden schwindelt es.
ganz in der nähe geht ein warmer regen nieder.
foto: thomas brandtner
richtungsweisen
Juli 5th, 2011 by elisabethlove thy self
Juli 1st, 2011 by elisabethein echter meister
führt dich stets zu deiner quelle
erbittet deine unabhängigkeit
er will dich ganz auf dich gestellt
fordert deine sehnsucht nach dir selbst.
und wartet bis du abschied nimmst.
bis dorthin führt er dich
mit liebe, zuspruch, kraft
behutsam, streng und lachend klar.
er ist ein stein auf deinem weg
und nicht das ziel
das bleibst du selbst.
foto: stefan lorenzoni
unverhofftes leben
Juni 30th, 2011 by elisabethmit meiner freundin will ich noch kurz einen café trinken gehen
in die kleine bar gleich bei ihr um die ecke.
ein schwüler, heißer freitag in der stadt,
die straßen sind leergefegt, kaum ein auto fährt vorbei.
die terasse des lokals bringt gerademal sechs tische unter.
noch immer ist der himmel capriblau.
drinnen scheinen sich menschen bereitzumachen
während wir zwei den tag zurückspulen und eindrücke vergleichen.
gegen zehn bittet uns die kellnerin hinein,
zwei plätze wären noch frei an einem der tische.
was zuvor schon in der atmosphäre lag hat jetzt form angenommen,
ist doch der bauch der bar inzwischen voll von gästen eines bevorstehenden festes.
unter dem großen spiegel türmt sich üppigduftend das buffet.
mittendrin eine schwere geburtstagstorte mit sprühkerzen verziert.
fünf außergewöhnlich hübsche, knapp bekleidete, brasilianische
frauen stehen rotmundig in herrlich aufgeregter erwartung im raum,
alle augenpaare sind auf den eingang fixiert.
obwohl wir nicht wissen, wer es ist, der da gerade aus dem taxi steigt,
sein instrument schultert und nichtsahnend die bar betritt, sind
auch wir von der aufregung angesteckt, wie kinder kurz vor der bescherung.
der mann betritt die bühne seines festes,
die kerzen schießen, spitzen gold und unter lauten jubelrufen
möge der freund hochleben, dreimal hoch!
dann ertönt die stimme des dicken, glatzköpfigen portugiesen.
und jede silbe verspricht lebendigkeit.
ohne den sinn des liedes zu verstehen, oder vielleicht gerade deshalb.
und wir zwei mittendrin.
ein kleiner mann in shorts und weißem strohut stellt ungefragt
uns einen teller köstlichkeiten vor die nase.
mit einer aufmunternden geste deutet er uns zu essen,
als fremde unter freunden dazuzugehören.
dann fordert uns das fest zum tanzen auf, keiner entkommt
und jeder will ein teil des rhythmus sein.
die lieder gehen ineinander über, ein sänger löst den andren ab
als ob es keine zwischenräume geben dürfte für gedanken.
ungleiche paare schwingen ausgelassen lachend ihre hüften.
und wir zwei mittendrin.
als teil des bunten ganzen das leben zelebrieren
und den geburtstag eines unbekannten…
meisterschaft
Juni 25th, 2011 by elisabethgraugrüner efeu, sieben stufen
die steil hinauf zum tempel führen.
so dicht bewachsen, kaum erkennbar,
auch wenn ich oft schon hier gewesen bin.
mit bloßen händen freigerissen
ist jede stufe wie ein gang
durchs eigne, dunkle labyrinth.
gestützt von stattlich, schweren säulen
erhebt die blaue kuppel sich
der dom
der dort am allerhöchsten punkt
die winzig kleine öffnung hat.
darunter steht aus marmorstein.
der thron.
ein kühler wind kommt plötzlich auf.
am letzten absatz angelangt
schau ich mich lange, wartend um.
ringsherum großes, weites land
das alles gibt ohne zu nehmen
so wie die sonne scheint, ein strahl
fällt ohne je zu fragen, wen er wärmt
oder verbrennt.
auf wen ich warte, frag ich mich.
den vater, könig, meister, mann?
die mutter, hohepriesterin, natur?
sie alle waren einmal hier
und allen hab ich blind vertraut.
nur eine hat es nie gewagt
hier platz zu nehmen, die zu sein
die zu verehren es jetzt gilt.
heut, da ich mir sicher bin
daß keiner mir zu hilfe kommt,
daß niemand meine rettung plant,
stehe ich auf, glätte mein kleid
ich will es tun, ich bin bereit
und wohne der vollendung bei,
besteige ehrfürchtig den thron.
“ich bin” -
der einzige Gedanke, der noch ist.
nicht wer, nicht was und nicht warum.
als ob der rest geangelt wär
durch jene blaue kuppelfontanelle
mit einer seidendünnen schnur.
“ich bin”
ist alles was mir bleibt.
nichts will mehr weiter
alles schweigt
nur blütenblätter fallen leise
kommen zur ruhe
duftend gelb
foto: thomas brandtner
die muse
Juni 15th, 2011 by elisabether sieht die dame im cafe.
wie sie sich dreht und neigt und lacht
die stimme, ihre leidenschaft
wie sie die mokkatasse hebt
ihr lachen, nippen und ihr hals
den seidenweich ein purpurrotes tuch umarmt.
schon tauchen bilder in ihm auf
er will sie zeichnen, malen, umverformen.
nach ihrem antlitz lieder schreiben
skulpturen hauen aus bewegtem fleisch.
inspiration.
halt still, jetzt heb die linke hand
bleib ganz genau so, ja, nun verweile!
das denkt er, während sie bezahlt und geht
nichts ahnend von der schweren bürde
die sie mit einem achselzucken
grad eben von den schultern gleiten ließ.
foto: thomas brandtner
u-nser f-allender o-lymp
Juni 12th, 2011 by elisabethauf einmal sind sie wieder da
an horizonten, über kirchen,
in wüsten, fjorden, felsenformationen
die menschheit aaaht und oooht sogleich
erstaunen, sehnsucht, angst und schrecken
wer kann das sein?
und warum jetzt?
wenn rettung nicht auf erden wächst
verwandlung nicht in uns entstehen will
sichtet man sie: die u- ef- os
und plötzlich weitet sich der blick!
es könnte etwas geben,
das größer ist als wir
das andre gesetze kennt und grenzen.
und somit das zunichte macht
was sich der mensch gebastelt hat
mit allem was sein hirnchen kennt.
das dann ganz arg ins wanken kommt
wenn eine scheibe oder gar spirale
im himmel kurz den auftritt hat.
vielleicht fänden wir ja in uns
archeäologisch gänzlich unversiert
den unbekannten grenzenweiter?
dem großen geist ist gar nichts fern
weder der kornkreis noch die scheiben.
er siehts als teil des ganzen seins
bewirtet freundlich jeden gast
der neues aus der fremde bringt.
zähne einer löwin
Juni 11th, 2011 by elisabethwenn es nicht schwarz geht
und auch nicht weiß
dann probierst du es am besten
in alle anderen möglichen richtungen
gleich stark.
dranbleiben, weiterwurschteln.
wichtig ist nur, daß du es nicht aufgibst
den rückzug antrittst
und mit trotzigen grüssen
im niemandsland verbleibst.
foto: thomas brandtner
aufgeschichtet
Juni 10th, 2011 by elisabethsie versteht die welt nicht mehr.
jetzt arbeitet sie schon seit jahren an dem thema
und nichts, aber auch gar nichts
hat sich verändert an ihrem zustand.
sie kommt nicht weg davon.
es ist wie verhext.
als ob ein haken irgendwo befestigt wäre
in ihr, der verbunden mit einer unsichtbaren schnur
irgendwohin in die vergangenheit führt.
warum? und warum gerade ich?
es fühlt sich wie gefangen an
abhängig und ohnmächtig.
nimmt mir die luft zum atmen.
abends liegt sie im bett und betet.
lass es mich erkennen lieber gott.
morgens dann verflucht sie ihn
den lieben gott.
der kann mir auch nicht helfen.
niemand kann mir helfen.
im schmerz selber dann
mitten drin
fühlt sie sich geborgen.
wie eine alte freundschaft fühlt es sich an.
wir kennen uns seit ewigkeiten.
ihm kann ich blind vertrauen.
eines tages die antwort.
mittendrin in einem buch.
triviallektüre zur entspannung:
erst einmal noch tiefer rein!
und dort verweilen an dem ort
bis er mit dir verwächst.
morgenritual
Juni 9th, 2011 by elisabethfrüh am morgen
wackelt das hunderl
mit dem alten mann
die straße entlang.
sie brauchen eine halbe ewigkeit
um auf die andere straßenseite zu gelangen.
vor dem greisler
wartet das hunderl ganz geduldig
während sein herrli reingeht,
semmerln kauft und ein stück wurst.
vor dem geschäft noch
kriegt das treue viecherl seinen teil,
schleckt kurz die hand ab, wedelt mit dem schwanz.
für den moment sind beide plötzlich jung.
dann treten sie den heimweg an.
langsam, bedächtig, schritt für schritt
bei sonne, regen, jeden tag
im winter, frühling, sommer, herbst.
nur heut hab ich die beiden nicht gesehen.
hab ach, verschlafen diesen ewig gleichen gang,
der mich so sicher macht
frühmorgens.
zwei seiten einer medaille
Juni 7th, 2011 by elisabether hat sie verlassen
weil es eine andere gab
in seinem leben
weil er sich nicht mehr abmühen wollte
mit ihren erwartungen
weil er den druck nicht mehr ertragen konnte
und ihr sehnen
ihre bedürftigkeit
ihre ansprüche
und hoffnungen
hoffnungen
eines tages war er weg
hatte seine koffer gepackt
und war gegangen
wortlos.
tränen tropfen lautlos auf ihr kleid.
er habe sie verlassen
weil sie in ihm den retter gesehen hatte
der er doch niemals sein konnte.
weil er der sein sollte
den sie niemals gehabt hatte
weil er ihr die angst nehmen hätte sollen
die sie daran hinderte
zu leben
und zu lieben.
bevor sie herausfinden hätte können
daß er dieser rolle nie und nimmer gewachsen wäre
hat er sie mit der erstbesten verlassen
die nichts dergleichen von ihm wollte
und ihn einfach nur sein ließ.
mit einem seufzen wird sein atem langsam langsamer.
foto: thomas brandtner
zum nächstmöglichen zeitpunkt
Juni 6th, 2011 by elisabetheine kleine sekretärin
ist sie nie gewesen
hat stattdessen jedes büro
auf den kopf gestellt
zur anarchie gezwungen
ist auf die barrikaden gestiegen
um zu kämpfen
libertà!
nur ist in ihrer hand kein schwert
und auch keine idee von dem,
wie ihre freiheit ausschaun könnt.
nur für die welt und andere!
seit ein paar tagen aber jetzt
scheint ihr das kleid zu eng zu werden
und im büro die luft wie öl
sie hält sich selber nicht mehr aus
in ihrem zimmer, stockwerk zwölf
und auch die barrikaden dort
belächelt sie aus müden,
sattgeschauten augen.
sie mag nicht mehr für andre sein
was sie sich selber niemals war.
der kugelschreiber malt entwurf
der heiss ersehnten kündigung.
in ihrem herzen jubiliert
die, die sie einmal werden wird;
die andre dreht sich um und geht.
entlassen endlich
kleine sekretärin.
trockentraining
Juni 5th, 2011 by elisabethes ist vierzehn uhr
draussen hat es vor fünf minuten
zu schütten begonnen.
ich denke an die liebe frau
sehe sie schon vor mir
mitten im unwetter.
sie hat kein auto
sicherlich auch keinen schirm.
hoffentlich hat sie sich irgendwo untergestellt.
schutzsuchend.
aber nein, es klopft.
pünktlich auf die minute.
da steht sie nun
mit gänzlich nassem haar
und diesem lächeln auf den lippen
komme was wolle.
schnell bitt ich sie herein.
klitschnass im dünnen sommerkleid.
in einem film und wäre ich ein mann
die szene wär aufgelegt gewesen.
aber so?
eine beinah fremde frau steht tropfend
im vorzimmer der kartenlegerin.
ich bitte sie ins badezimmer
geb ihr meinen bademantel
und schmeiss dann das kleidchen in den trockner.
später sitzen wir einander gegenüber.
es ist ein seltsames gefühl
eine andere frau im eigenen bademantel zu beraten.
keinen wird es verwundern
daß die themen, die alsbald in den karten auftauchen
meinen nicht ganz unähnlich sind.
animus
Juni 3rd, 2011 by elisabethdurch die lüfte!
eng an deinen warmen flügel
geschmiegt
zwischen den welten segeln
im ohr das pochen deines großen herzens
im luftstrom der welt, die sich langsam dreht.
mich in deine weite tragen lassen
durch den langen tag himmelhoch
metallen blau
bis später dann die nacht anbricht
und übernehmen will
mit macht.
aus der kindheit
Juni 2nd, 2011 by elisabethfast nichts ist übriggeblieben.
nur im sommer
wenn der warme wind
über den schwarzen asphalt weht
kommt die erinnerung
an ein gemauertes schwimmbecken
in dem zwei kleine, kräftige mädchen
in einem schlauchboot kreischend
vor vergnügen tanzen
bis eine ins wasser fällt
und verloren hat.
meine schwester,
die wann immer sie wollte
lachen konnte
um nicht mehr aufzuhören.




































